Tuesday, July 7, 2009

Sepp Blatter: im Weissen Haus

(07.07.09) smz - Sepp Blatter ist Jurist - 1975 begann er bei der Fifa zu arbeiten. Heute wird er als Präsident des weltgrössten Sportclubs wie ein Staatsoberhaupt empfangen, wenn er reist. Für den Mann, der in bescheidenen Verhältnissen in der Innerschweiz aufgewachsen ist, ist es eine grosse Sache, dass er am 25. Juli um 17 Uhr von Barack Obama im Weissen Haus empfangen werden wird. Mit Blaulicht und Eskorte fährt er vor - dem letzten politischen Präsidenten der Schweiz ist das 1982 geglückt.

Für Blatter ist das Weisse Haus etwas Besonderes, doch bieten sich ihm öfter solche Gelegenheiten: in Russland war er bei Putin (Putin brachte eine grosse Schale Kaviar), - der australische Präsident, der belgische König, sie kommen sogar nach Zürich auf den Züri-Berg, wo die FIFA ihr opulentes Hauptquartier gebaut hat. Wie ist das Betriebsklima dort? "International", sagt ein Headhunter, Menschen aus 60 Ländern arbeiten dort. Aber: "Der Führungsstil ist sehr autoritär, da trifft nur einer die Entscheidungen."

Sepp Blatter ist einer der schlauesten Manager, den die Geschäftswelt hervorgebracht hat. Er erkannte das Potential von Fernseh-Übertragungsrechten, von Merchandising - er hat die Rechtsabteilung der FIFA von 3 auf 33 Personen hochgezogen. Die Verträge der FIFA gelten als beispielhaft für die Welt des Sports. Aus ihnen gibt es kein Entkommen.

Besonders hoch findet Blatter die momentanen Transfer-Preise für Fussballspieler nicht - er vergleicht die Preise mit einem Gemälde von Claude Monet, das ja auch ziemlich teuer sei. Und man könne das Kunstwerk nur ein paar Freunden zeigen. Den Fussballer kann man als Gegenleistung für den Transfer-Preis zwei-bis drei Mal pro Woche spielen sehen, das ist doch ein ganz anderer 'value for money', oder?

Blatter spielt das Ego-Spiel auf raffinierte Weise. Er berichtet von all seinen Privilegien und lustigen Ansichten, Geld spielt keine Rolle, es ist im Überfluss vorhanden. Eine Milliarde Menschen lebt vom Fussball, rechnet er vor. Er ist einfach nur einer von diesen. Es geht auch nicht um ihn, wenn die Limousine der FIFA vorfährt, es geht um den Fussball.

Wednesday, June 17, 2009

Thomas Middelhoff: der Untreue angeklagt

(17.6.09 - smz) Anlässlich der Zurückweisung jeder staatlichen Hilfe für Arcandor fragt man sich, wieso zunächst niemand den Namen Middelhoff erwähnte. Thomas Middelhoff hatte noch im Februar 2009 gesagt, der Konzern wäre gut positioniert (Spiegel-Interview). Jetzt haben alle Institutionen bestätigt, dass Arcandor nicht an der Wirtschaftskrise leidet, sondern an selbstgemachten Problemen.

Wie schwer es sein muss, für Middelhoffs Nachfolger Eick auf Briefpapier mit Goldprägung um staatliche Kredite zu bitten, kann man sich vorstellen. Das goldene Emblem im Logo, der Name Arcand’or, die grossartigen Visionen, die Positionierung der 4 Luxuswarenhäuser, der Verkauf der Immobilien und die jetzigen Mietprobleme - all das ist Middelhoff’s Handschrift.

Zuletzt sollte Madeleine Schickedanz 45 Millionen beisteuern und die erstaunlich leidensfähigen Sal. Oppenheim bei der Rettung unterstützen. Bei einem Kursverlust der Arcandor Aktie von 88% in im ersten Halbjahr 2009 ist der Schickedanz-Familienanteil an Arcandor weniger wert. Viele Millionen weniger hat die Familie der grossen Gesamtstrategie von Thomas Middelhoff zu verdanken. Eventuell war auch das ein Grund, dass Madeleine Schickedanz wegen eines Schwächeanfalls am Tage der Arcandor Insolvenz ins Krankenhaus musste.

Madeleine Schickedanz ist eigentlich die zweite deutsche Grossindustrielle, die die Zusammenarbeit mit Middelhoff bereuen könnte oder bereut. Liz Mohn hat etwas mehr Glück gehabt und das Steuer bei Bertelsmann in letzter Minute herumgerissen. Auch hier wieder Middelhoffs hochfliegende CEO-Pläne von der Umwandlung Bertelsmanns in eine AG, von der weltweiten Ausbreitung, von der Umwandlung in eine Internet-Company, bis zu seinem Abgang in 2002.
Kommentar dazu von Sabina Wolf, Bayerischer Rundfunk: "Es gab diese Tage einen SZ Artikel zu dem Immobilienfonds, an denen M und seine Frau beteiligt sind. An die hatte M dann die Konzernimmobilien verscherbelt, die die Hertie nun teuer zurückmieten muss. Wie immer ist da kein Staatsanwalt, den das interessiert, zumindest habe ich noch von keinem gehört."

Monday, May 25, 2009

Hans Jörg Denzler: Krisenmanagement praktisch


(25.5.09 - smz) - Zwei mal waren wir im schönen Zürcher Schiffbau zum Lunch und jedes Mal bewegte sich unser Gespräch wie von selbst zum Thema Führung hin - natürlich Führung in der Krise. Hans Jörg Denzler ist Geschäftsführer von COLT Telecom Schweiz und jongliert wie die Chefs anderer investoren-geführter multinationaler Unternehmen zwischen Vorgaben aus dem Headquarter und den Erfordernissen, die in seinem lokalen Markt entstehen.

Die Stärken seiner starken Führungskräfte kämen jetzt noch deutlicher zum Vorschein sagt Denzler, wie umgekehrt die Schwächen anderer. Wer ruhig ist, zu dem bewegt sich ein gesamtes Feld an menschlicher Schwerkraft. Zu dem gehen die Mitarbeiter und suchen seine/ihre Nähe.

Diejenigen, die jetzt aufdrehen, Aktionismus propagieren, Lärm und Wind machen, sind nicht so gefragt. Und sie sind auch nicht erfolgreich, hat Denzler erfahren. Wie führt man die? Man kann die Unruhegeister unter den Mitarbeitern ja nicht einfach am Ärmel packen und sagen: "Ruhe jetzt! - Erst nachdenken."

Mein Beispiel dazu stammt von der Klettertour, die ich in der Woche vorher gemacht hatte. Ich hing in der Wand und hatte Angst. Körperlich setzte ich das so um, dass ich mein Blickfeld extrem verkleinerte, nur noch auf das Felsstück vor mir schaute. Dann versteifte ich Hals und Nacken, spannte Becken und Rücken an, wodurch mein Radius sich insgesamt verkleinerte. Auch hörte ich die Anweisungen des Bergführers nicht mehr.

Folge: bei Angst kann ich Anweisungen nicht hören und nicht umsetzen. Die Ideen, die mir einfallen, sind aufgrund des kleinen Gesichtsfeldes und der eingeschränkten Beweglichkeit nicht flexibel und nicht kreativ. Ich greife auf das bekannteste Verhalten zurück, in meinem Falle rücksichtsloser Krafteinsatz, den ich oft mit einer Verletzung bezahlte.

Mein Verhalten ist sehr typisch. Was bedeutet, dass man als Führer/CEO zu allererst dafür sorgen muss, dass sich die Mitarbeiter entspannen und Angst abbauen. In meinem Kletterbeispiel gelang mir dies durch Einhängen ins Seil, atmen und schrittweise Ausweitung meines Blickfeldes, auch mal nach unten in die Tiefe schauen ...

Nach einer Weile konnte ich neue Tritte und Griffe entdecken. Meine Laune besserte sich. Ich nahm die Worte des Bergführers wieder auf. - Das ist Führung, auch Selbstführung natürlich. Chefs wie Hans Jörg Denzler kann man sich in Zeiten wie diesen nur wünschen ...

Tuesday, April 28, 2009

Heinz Dürr: Aufsichtsrats-Geschichte

(24.4.09 - smz) Heinz Dürr ist seit 20 Jahren Aufsichtsrats-Chef der Dürr AG, er war Chef der AEG Telefunken, Vorstand bei Daimler, Chef der Deutschen Bahn und AR Chef der Carl Zeiss AG. Erlebt hat er viele Grössen der deutschen Wirtschaft, und gehört selbst dazu: Hans Friedrichs, Alfred von Herrhausen, Hermann Josef Abs, den Gewerkschafter Steinkühler, den Bahnchef Mehdorn, die Aufsichtsräte Cromme und von Grünberg.

Auf einem Streifzug durch die deutsche Landschaft der ARs berichtet Dürr im kleinen Kreis von seinen Erfahrungen. Vor acht Tagen hat er noch auf der Intensivstation eines Krankenhauses gelegen, heute steht er frisch und erholt wirkend vor den Zuhörern der Deutschen Agentur für Aufsichtsräte. Hier eine kleine Auswahl von Dürrs Erfahrungen:
  • Es kommt sehr auf den Aufsichtsratsvorsitzenden an. Der beratende AR tritt in den Hintergrund, der AR mit Interessen spielt in Zukunft.
  • Die AR-Arbeit der Vergangenheit ist vorbei. Die vornehmen Essen, das Niveau, die Produkttests werden nicht mehr so reichlich zu finden sein.
  • So interessant es sein kann, als Ein-Mann-Aufsichtsrat zu fungieren, so gefährlich ist es. Wenn man machen kann, was man will, ist es kritisch.
  • Niemals soll man als Aufsichtsrat mit Vorständen einzelne, separate Gespräche führen.
  • Aufsichtsräte ohne Fachwissen sind mehr und mehr überfordert von den anstehenden Entscheidungen (siehe die ARs der Landesbanken).
  • Man beobachte als AR die Körpersprache der Vorstände beim Vortrag: einmal guckten die Vorstandskollegen in die Luft, als einer vortrug. Da war klar, dass dieser vortragende Vorstand keine Zukunft haben würde.
  • Deutsche Aufsichtsräte aus dem Arbeitnehmerumfeld sind nur daran interessiert, was in Deutschland passiert, auch wenn das Unternehmen global aufgestellt ist.
  • Das Wohl des Unternehmens möge in allen Entscheidungen im Vordergrund stehen (so viel zum Thema 'shareholder value').
Dr. Axel Smend, Chef der deutschen Agentur für Aufsichtsräte, schrieb mir hinterher: "Dürr war sicherlich schon 'historisch'. Für die meisten sicherlich der Höhepunkt des Tages: Ein Streifzug durch die bundesrepublikanische politisierte Wirtschaftsgeschichte: nüchtern und fesselnd."

Wednesday, March 25, 2009

Peter Kurer: vom Rücktritt gewusst?

(1.3.09 - smz) War Peter Kurer, dem Verwaltungsratschef der UBS, klar, dass er acht Tage nach diesem Interview zurücktreten würde, obwohl er es abstreitet? "Ein Doppelabtritt würde der Bank schaden", sagt er. Einer, der dabei gewesen ist, sagte mir, dass Kurer tatsächlich nichts geahnt hat.

Beobachten Sie, wo Kurer in dieser kurzen Videosequenz stockt und sich ganz leicht verspricht. Ich meine, dass ihm unbewusst bereits alles klar ist. Als er stockt, rasen die Gedanken durch seinen Kopf und er formuliert als Jurist die politisch korrekte Antwort.

Saturday, February 7, 2009

Volker Smid, Josef Ackermann, Klaus Kleinfeld: WEF Lessons Learned







7.2.2009 (smz) - Positive Stimmen zum WEF waren dieses Jahr selten. Es ist plötzlich erlaubt, die Konferenz zu kritisieren. Natürlich auch, weil die vielen anwesenden Wirtschaftsführer und Banker für die Krise verantwortlich gemacht wurden. Was haben diese daraus mitgenommen?

Volker Smid: "Yunus habe ich lange zugehört und auch gesprochen. Ich glaube vor dem Hintergrund wie er seine MicroCredit Bank gegen alle Regeln der "Bankkunst" aufgebaut hat wirft in der Tat für die Branche die Frage auf "Lesson Learned?". Beeindruckend auch der erfolgreiche Versuch simple (für uns) Sachen wie Joghurt und Wasser für einen bezahlbaren Preis vielen Menschen zugänglich zu machen (und was wir daraus lernen). Lesson Learned : Ein Joghurt in Bangladesh braucht einen essbaren Becher ... (und das stellt eine ganze Branche vor eine neue Herausforderung). " (er hat Yunus nicht auf dem WEF getroffen, sondern danach in Deutschland)

Josef Ackermann: "Sehr geehrte Frau Müller-Zantop, im Namen von Herrn Dr. Ackermann danke ich Ihnen für Ihre freundliche E-Mail vom 31. Januar des Jahres, in der Sie ihn um eine kurze Stellungnahme und eine Online-Vorlesung für junge Leute im Nachgang zu Davos bitten.
Über Ihre Anfrage hat sich Herr Dr. Ackermann sehr gefreut. Jedoch ist es ihm aufgrund einer Vielzahl bereits zugesagter Projekte und der schwierigen Marktsituation, welche seine volle Aufmerksamkeit erfordert, leider nicht möglich, Ihrer Bitte zu entsprechen. Hierfür bitte ich Sie sehr um Ihr Verständnis. Ich wünsche Ihnen — auch im Namen von Herrn Dr. Ackermann — persönlich alles Gute. Mit freundlichen Grüßen"

Ich maile mit Klaus Kleinfeld und er fragt: "...wofuer moechten Sie das Statement denn verwenden?" Klaus Kleinfeld - Als ich schreibe: für mein Blog - antwortet er nicht mehr.

Monday, February 2, 2009

Many People: A Visit in Davos

30.01.2009 (smz) - Please finde below a 6 minute clip about my visit to the World Economic Forum. It was quite a surprise and relatively unusual. I liked it a lot! In general, the whole event was more open than in the past, be it the Internet coverage, be it the people and their candidness in discussions. Just great.

Saturday, January 31, 2009

Shimon Peres and Rezip Erdogan: clashing

30.1.09 (smz) - Shimon Peres, Israel's President and Turkish Prime Minister Rezip Erdogan clashed in Davos, but talked to each other again in a telephone conversation later. Erdogan was much praised for his open words. It exemplifies the more honest and outspoken atmosphere in Davos this year. I was also surprised to hear Howard Dean III, leader of the US democrats, openly admit that "the United States started a financial catastrophy."

Thursday, January 29, 2009

Michael Dell: gerät mit Vladimir Putin aneinander


29.1.2009 (smz) - Michael Dell offeriert Vladimir Putin die Hilfe der IT Industrie auf einem WEF Panel und Putin sagt: "Wir brauchen keine Hilfe. Wir sind keine Invaliden."
Hier sieht man das Gesicht von Putin, als er Dell zuhört und plötzlich im Sessel nach links zu seinem Übersetzer rutscht. Dann den Kopfhörer abnimmt und spricht, siehe unten das Video.
Originalton: "The trick is: we don't need any help. We are not invalids. We do not have limited capacity. People with limited capacities, abilities should be helped...developing countries should be helped."

Monday, January 26, 2009

Marcel Reichart: über Guido Westerwelle


29.1.2009 (smz) - Letztes Jahr habe ich an dieser Stelle die DLD-Konferenz von Hubert Burda dafür kritisiert, dass sie die Finanzkrise nicht wahrgenommen hätten und heile Welt spielten.

Dieses Jahr bekam ich eine Mail von Burda, dass ich lieber nicht teilnehmen solle, man wolle frisches Blut bei der Konferenz haben. Ja - das ist sicher auch eine Idee.

Dr. Marcel Reichart, Co-Organisator der DLD, wurde diese Woche von Burda für einen Teilnehmerbetrag von 45.000 CHF zum WEF geschickt. Traiditionell ist auch Steffi Czerny, die wichtige Grand Dame bei Burda, mit dabei. Und auch diesmal brachte Burda noch einen Stargast mit. Waren es in den Jahren davor Claudia Schiffer und Naomi Campbell, so ist es diesmal Guido Westerwelle, der FDP Parteichef.

Wieso Westerwelle? Reichart erklärte es einem Journalisten von der New York Times so: “He might be a celebrity,” Mr. Reichart said wanly, a trace of disappointment in his voice. “This year the politicians are the real stars.”

Holla.
Ich bin gespannt, ob wir uns in Davos über den Weg laufen.
Die Präsentationen beim WEF live mitverfolgen kann man hier.