(22.1.2012) Razzia bei Wulffs? Das suggeriert der Zeitungsständer Freitag früh in Hannover in einer Bäckerei:. An diesem Tag ist Wulff in Berlin, in Hannover tagt der Landtag und debattiert über die weisse Weste seines ehemaligen Pressesprechers Olaf Glaeseker, von dem Wulff einmal gesagt haben soll, er sei sein siamesischer Zwilling.
Die BILD Zeitung leistet sich wieder einen genialen Coup mit dieser fiesen Schlagzeile. Denn die Hausdurchsuchung findet nicht bei Wulff, sondern eben 'nur' bei Glaeseker statt. Aber Kai Dieckmann, der BILD Chefredakteur, den nur wenige CEOs für sich gewinnen konnten, ärgert den deutschen Bundespräsidenten einmal mehr. Und dieser kann nichts machen. Wenn er der BILD Zeitung die nächste Kampfansage machen will, wird sofort das Tonband veröffentlicht.
Im letzten Jahr haben wir mit einem CEO den Redaktionsbesuch bei Kai Dieckmann geprobt. Er kam dazu Samstags zusammen mit seiner Kommunikationschefin ein echtes Redaktionsbüro und die Tür wurde von einem Profi-Journalisten "Kai Dieckmann" geöffnet. Ich war die Redaktionssekretärin und filmte unauffällig mit. Das Gespräch dauerte eine Stunde, die Atmosphäre war angespannt, reserviert, wie wenn zwei Raubtiere sich umschleichen. Danach gingen wir in ein Café und besprachen die Sache. Am Ende schauten wir den Film an und die Kommunikationschefin des CEO merkte, dass es nicht genügend BILD-taugliche 'News' gab für das Gespräch. BILD hätte versuchen müssen, durch Seiteninformationen Fleisch an den Knochen zu bringen. Ein hohes Risiko, man kann jedem Leichen im Keller unterstellen! Deshalb wurde die Idee, Kai Dieckmann in die BILD Redaktion zu besuchen, verworfen. Diese Entscheidung konnte man erst aufgrund des Trainings treffen.
Wenn ich die BILD Geschichte mit Wulff jetzt sehe, denke ich an die Situation aus dem Training und sehe noch viel deutlicher, wie klug die Entscheidung damals war. Mit gestellten Situationen kann man unglaublich viel erkennen und daraufhin gute Entscheidungen treffen, zum Beispiel für Pressearbeit oder auch für wichtige Verhandlungen.
1 Kommentare:
Über die Bildzeitung und ihren Journalismus muß man nicht viel diskutieren. Das tragische an der Causa Wulff, ist, daß er das Blatt selber ins Boot geholt hat, dann nicht mehr mit ihm zurecht kam und sich ausgesprochen tölpelhaft verhalten hat. Der Mann hat die falschen PR-Berater gehabt. Nun trampelt die gesamte Presse auf kleinsten Vorteilsnahmen herum, die sonst niemand interessiert hätten. Herr Wulff hält mit seiner Salamitaktik die Flamme selber in gang, die ihn langsam röstet.
Das einzig interessante am Fall Wulff wird gar nicht mehr untersucht: warum bekommt jemand einen Kredit zum Superzins, ohne Tilgungsungsvereinbarung, ohne Grundbucheintrag, ohne Notarvertrag und ausgezahlt per anonymen Bundesbankscheck ? Das wäre mal eine lohnende journalistische Aufgabe, denn die Vermutung, daß diese Kredit nicht zur Rückzahlung geplant war liegt doch wohl ziemlich nahe.
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