Sie und er (I)
Die Küche eines Hauses in Zürich Enge. Sie kocht sich einen Kaffee, er kommt ins Haus.
Sie: Schatz, ich kann nicht mehr! Ich hab schon wieder 152 neue Mails, ganz viele mit Drohungen. Seit meine Mailadresse auf der Kopie der Korrespondenz mit der Bank zu sehen war, kriege ich diesen ganzen Müll von den Schweizern.
Er: Was soll ich denn da sagen? Das ist ja nicht mein Fehler, oder? Ehrlich gesagt ist das so ziemlich das kleinste von meinen Problemen.
Sie: Dann kommen auch noch Leute in die Galerie, einfach so, und starren mich an. Die wollen keine Bilder kaufen! Die wollen alle diese Frau sehen, - diese Frau .... verstehst Du?
Er: Na ja, es passiert halt nicht so oft, dass die Frau die Karriere des Mannes stoppt. Früher war das mal andersherum.
Sie: Ach Mann, du hast schliesslich schon drei Jobangebote aus aller Welt. Fang bloss nicht an zu heulen! Lass es hinter dir! Sei doch froh, - jetzt bist Du diese schrecklichen politischen Meetings los, den Bundeshaus-Klatsch, die Parteivertreter, alle diese verbohrten, hässlichen Typen in schlecht sitzenden Anzügen.
Er: Ha, ha. Sehr witzig. Und wer zahlt ab jetzt die Rechnungen? Denk bloss mal an diese ganzen Anwälte, die wir jetzt brauchen werden. Die zahlen sich auch nicht aus den Galerieumsätzen, oder?
Sie: Ich kann ja jetzt wieder mit Devisen handeln, Liebster! Sag mir einfach, wann's losgehen kann, ich kann jeden Moment loslegen. .... Hey, wir könnten eigentllich nach Singapur ziehen.
Er: Spinnst Du? Wieso haben wir dann 75'000 Franken an die Schweizer Berghilfe bezahlt? Ich liebe die Schweiz, wirklich!
Sie: Schatz, aber die Schweiz liebt Dich nicht. Du hast ihnen Tausende Jobs gerettet durch das Fixing des Schweizer Frankens, aber sie lieben Dich nicht. .... New York wäre eigentlich auch schön. Braucht die Weltbank nicht irgendwann jetzt einen neuen Chef?
Sie und er (II)
Die Küche eines Hauses in Hannover. Sie kocht sich einen Kaffee, er kommt ins Haus und will den Fernseher anstellen.
Sie: Schatz, lass den Fernseher aus, das tut Dir nicht gut. Heute Abend ist Harald Schmidt.
Er: Süsse, die verstehen mich alle nicht ... ich will doch einfach nur in Ruhe meinen Job machen. Wenn der Schmidt über mich herzieht, machen das alle anderen auch. Richling, Priol, oh Gott. Womit habe ich das verdient?
Sie: Du kannst Harald Schmidt ja auch auf die Mailbox sprechen!
Er: Ja super, jetzt fällt einem die eigene Frau auch noch in den Rücken! Herzlichen Dank!
Sie: Na ja, meine Idee war's ja nicht, Dieckmann auf Band zu sprechen, oder? Das hätte ich Dir gleich sagen können, dass das schief geht. Du warst viel zu nervös. Das war einfach Scheisse.
Er: Ach komm, Ihr PR-Leute wisst doch immer alles besser. Vor allem hinterher. Vergiss Dieckmann. Das ist einfach nur ein Chefredakteur. Einer von ganz vielen.
Sie: Und Du bist nur ein Bundespräsident, einer von ganz vielen!
Er (lacht, leicht verkniffen): Gar nicht so falsch, Schatz. ... Komm, wir gehen in den Dorfkrug, Steak essen. Wie ganz normale Bürger.
Sie: Spinnst Du? An Deinem einzigen freien Abend? Weisst Du eigentlich, wie die Leute Dich anstarren? Die spucken Dir ins Bier! Wir könnten uns höchstens ins Nebenzimmer setzen ... Übrigens, das Amt hat angerufen, Deine Chefin will morgen mit Dir telefonieren.
Er: Oh nein,nicht schon wieder! Weisst Du, was die will? Ich soll Dieckmann zur Herausgabe des Bandes zwingen. Also ehrlich, das ist doch völlig unmöglich! Sie meint, BILD hätte das Schicksal der Regierung in der Hand.
Sie: Gar nicht so falsch ...
Er: Jetzt fällst Du mir schon wieder in den Rücken!


1 Kommentare:
schöner Cabarat Text...
Kurt
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